Ein warmer Samstagnachmittag ist jener Tag im Juni 2001. Die Sonne strahlt vom Himmel. Viele Feuerwehrkameraden nutzen den späten Nachmittag. Grillen mit Freunden im Garten, liegen einfach faul in der Sonne dieses 16.Juni 2001. Viele Kameraden der Meeraner Wehr befinden sich zu diesem Zeitpunkt auch im nah gelegenen VW-Werk Mosel beim Familientag - Den Familien wird dieser Tag auch in Erinnerung bleiben! Auf dem nahegelegenen Sachsenring findet der 4.Lauf zur Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) statt.
Niemand rechnet mit irgendeinem Unheil.
Am frühen Abend dieses Tages wird als erstes die Feuerwehr Glauchau alarmiert. Im Sekundentakt gehen Notrufe in der Rettungsleitstelle Zwickau ein, die von einer Rauchentwicklung hinter der ESSO-Tankstelle in der Auestrasse in Glauchau berichten. Den Kameraden aus Glauchau wird schon auf der Anfahrt zur Einsatzstelle durch die riesige Rauchsäule bewusst, dass sie Verstärkung benötigen. Alle Ortswehren von Glauchau werden nachalarmiert.
Mittlerweile haben auch Meeraner Kameraden auf dem Familientag in VW-Werk die Rauchsäule ausgemacht. Sie begeben sich umgehend auf den Heimweg nach Meerane.
Inzwischen trifft ein erster Löschzug der Feuerwehr Glauchau an der Einsatzstelle ein. - Die Feuerwehr Meerane wird nachgefordert! - Innerhalb von Sekunden wird durch die Leitstelle Zwickau Alarm für die Feuerwehr Meerane ausgelöst. Auf direkte Anfrage beim Einsatzleiter über Funk kommt eine kurze Antwort: "Kommt mit allem was ihr habt!"
Jetzt ist auch von Meerane aus der riesige Rauchpilz zu sehen. Eilig stürmen Meeraner Kameraden in die Feuerwache. Einige glauben noch an einen Scherz als von einem Rauchpilz die Rede ist.
Der Löschzug der FF Meerane rückt mit DLK23-12, TL16 und LF16/12 als erstes aus. Der ELW2 ebenfalls. Auf der Anfahrt zur Einsatzstelle über den Glauchauer Ortsteil Lipprandis stockt einigen Kameraden der Atem beim Anblick des pechschwarzen Rauchpilzes, der direkt über der Unterstadt von Glauchau hängt. Schaulustige haben sich bereits auf einer Anhöhe versammelt und betrachten den Brand aus sicherer Entfernung während der Löschzug diese Stelle passiert.
Der Löschzug erreicht die Unterstadt. Ein Durchkommen zur Brandstelle ist jetzt nur schwer möglich - Schaulustige blockieren mit ihren Fahrzeugen die Auestrasse. Die Polizei ist aufgrund ihrer geringen Personalstärke noch nicht in der Lage die Einsatzstelle weiträumig abzusperren. Endlich kommt der Löschzug der FF Meerane an der Einsatzstelle an. Schwarze Rußfladen fallen vom Himmel.
Der Brandort - Ein Automobilzulieferer der Kunstoffteile herstellt mit angrenzender Spedition. Die Produktionshalle steht im Vollbrand. Ein Sattelauflieger eines abgestelleten LKW brennt bereits. Im Freien abgestellte Gitterboxen, vermutlich mit Stoßfängern beladen, brennen lichterloh.
Die FF Meerane bekommt den westlichen Brandabschnitt zugeteilt. Die Ortswehren der Feuerwehr Glauchau arbeiten fieberhaft an der Herstellung einer stabilen Wasserversorgung aus der Flutrinne. Zwei Angriffstrupps der FF Meerane gehen zum Aussenangriff vor. Über mehrere Minuten kann Wasser gegeben werden. - Noch reichen die Löschwassertanks!
Alle anderen Trupps der FF Meerane unterstützen derweil den Aufbau der Wasserversorgung zu den Fahrzeugen von Meerane. Anfänglich ist auch die Rede von zwei Vermissten. Eine Vermisstensuche ist in der Produktionshalle unmöglich, weil sie bereits zum Großteil eingestürtzt ist. Im östlichen Brandabschnitt werden durch die FF Glauchau/Niederlungwitz wichtige Computer und Unterlagen aus dem Verwaltungsgebäude geborgen. Eillig läuft eine Frau mit einer Ledertasche auf einen unserer Maschinisten zu. In der Tasche befinden sich die Schlüssel zu den geparkten LKWs an der Produktionshalle. Unser Maschinist und mehrere Speditionsmitarbeiter bringen die LKW in Sicherheit, die bisher durch einen Trupp so gut wie möglich abgeschirmt wurden. Die Wasserversorgung ist zwar hergestellt, reicht aber durch die enorme Entnahme nicht aus. Zeitweise werden über 15.000Liter Wasser pro Minute verbraucht.
Ein Polizeihubschrauber, der eigentlich zum Rennwochenende am Sachsenring im Einsatz war, kreist über der Einsatzstelle. Mit Hilfe der Kamera und einer Wärmebildkamera sichert er erste Beweise. - Später wird sich herausstellen, dass ein Mitarbeiter an mehreren Stellen Feuer gelegt hat.
Der SW2000 und das LF16-TS der Feuerwehr Meerane treffen an der Flutrinne ein. Eine zweite Doppel-B-Leitung wird in Richtung der Brandstelle verlegt. Jetzt wird über insgesamt 4 B-Leitungen Wasser von der Flutrinne zum Brandort, zusätzlich zum Hydrantennetz, gefördert. Ein massiver Löschangriff von allen Seiten wird vorgenommen.
Die Brandbekämpfung kommt jetzt langsam vorran. Der MTW von Meerane bringt neue Atemluftflaschen zur Einsatzstelle. Der GW-Atemschutz des Landkreises kommt ebenfalss vor Ort und tauscht Atemluftflaschen. Nach und nach wird das Feuer eingedämmt. Mittlerweile wird auch kein Mitarbeiter mehr vermisst. Alle sind wohl auf! Die Einsatzkräfte werden durch die Feuerwehr Glauchau mit warmen Essen und Getränken versorgt.
Gegen 21.00Uhr ist der Brand soweit unter Kontrolle, daß die Kräfte der FF Meerane die Einsatzstelle verlassen können. In der Nacht wird der Brand dann auch entgültig gelöscht.
Der VW-Zulieferer Peguform Glauchau ist nicht mehr produktionsfähig. Eilig wird auf dem Werksgelände von VW in Mosel noch am Sonntag ein Zelt aufgestellt um die Just-in-Time-Produktion nicht zu gefährden. Dennoch stehen die Bänder bei Volkswagen in Mosel. Die Firmenzentrale von Peguform produziert jetzt Stoßfänger rund um die Uhr 24 Stunden am Tag um dem Bedarf gerecht zu werden. Die Mitarbeiter der Peguform Glauchau werden vorerst in der Firmenzentrale beschäftigt.
Wenige Tage später wird der Brandstifter, ein Mitarbeiter, gefasst. Er ist geständig und wird später rechtskräftig wegen schwerer Brandstiftung verurteilt. Die Firma Peguform wird später eine neue, moderne Produktionsstätte im Gewerbegebiet Südwest Meerane bauen. Die neue Produktionsstätte ist mit modernster Brandschutztechnik ausgerüstet. Dazu zählt unter anderem eine Schaum-Sprinkler-Anlage. Ausserdem wurde im letzten Jahr eine Einsatzübung am Objekt durchgeführt.
Fotos: FF Glauchau